DIE JUDEN IN MÄHREN

Als die Juden 1421 aus Niederösterreich und Wien vertrieben wurden, siedelte sich ein großer Teil von ihnen in Südmähren an. Im Gegensatz zu Böhmen, wo sie sich auf ein großes Zentrum konzentrierten, gründeten die Juden in Mähren eine Reihe kleinerer Gemeinden.

Neben Brünn und Olmütz, wo die meisten Gemeinden waren, ließen sie sich auch in anderen königlichen Städten wie Iglau, Znaim und Ungarisch Hradisch oder Mährisch Neustadt nieder.

Ab Mitte des 13. Jahrhunderts finden wir Aufzeichnungen über jüdisches Leben in Proßnitz, Podiwin, Trebitsch, Nikolsburg, Eibenschütz und Boskowitz, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Austerlitz, Triesch, Kremsier, Müglitz und Zwittau. Später zum Beispiel in Jamnitz, Pohrlitz, Mährisch Budwitz, Ungarisch Brod… und Juden, haben selbst in so kleinen Dörfern wie Kanitz, Mißlitz oder Schaffa deutliche Spuren hinterlassen.

Kurz gesagt, Juden sind seit dem Mittelalter ein fester Bestandteil in den Städten und Orten Mährens und schufen trotz der verbreiteten Vorurteile der mehrheitlich christlichen Bevölkerung eine blühende und prosperierende Gesellschaft, deren Entwicklung auch durch die Vertreibung der Juden aus den königlichen Städten im Jahr 1454 gekennzeichnet war.

Es dauerte fast vierhundert Jahre, bis die Juden dorthin zurückkehren konnten, von wo sie von Ladislaus Postumus vertrieben wurden. In den kleineren Städten florierten jedoch die jüdischen Gemeinden umso mehr, da sie von der traditionell toleranten Haltung in Mähren gegenüber Minderheiten profitierten.

Zu Beginn der Reformen befand sich die größte Anzahl jüdischer Familien (620) in Nikolsburg, das seit jeher das Zentrum der mährischen Juden darstellte. Von hier aus wirkte der Landesrabbiner und auch der berühmte Rabbi Löw hielt sich einige Zeit in der Stadt auf. Neben Nikolsburg gab es auch in Proßnitz (328), Boskowitz (326) und Holleschau (265) eine große Anzahl jüdischer Familien. Im Jahre 1848 machten in Boskowitz die Juden 38 % der Bevölkerung aus. Das Grab eines der wichtigsten örtlichen Rabbiner, Samuel ha-Levi, ist heute ein Wallfahrtsort für viele Juden aus aller Welt. Von hier stammt auch die berühmte Industriellenfamilie Löw-Beer. In Holleschau wirkte einer der größten jüdischen Denker des 17. Jahrhunderts, Rabbi Sabbatai ha-Kohen. In Loschitz lebte zeitweise eine gewisse Fanny Neuda, mit deren Namen das erste von einer Frau für Frauen geschriebene Gebetsbuch verbunden ist.

Das Revolutionsjahr 1848 brachte den Juden das Recht, sich frei zu bewegen, und seit der Ausstellung des sogenannten Oktober-Diploms (1860) dürften sie auch Immobilien besitzen. 1862 wurden in Mähren 27 politische Gemeinden aus den ursprünglich 52 jüdischen Gemeinden gebildet. Die Verordnung galt nur für Gemeinden in Mähren, die über eigenen Grund und finanzielle Mittel verfügten. Dies war einzigartig in Europa. Die Juden etablierten so ihre eigenen unabhängigen Gemeinden innerhalb der Städte mit ihrem eigenen Bürgermeister, Rat, Schule, gemeindeeigenem Polizisten und Wirtschaftsführung. Im Jahr 1890 lebten laut Volkszählung 45.324 Juden in Mähren.

Jewish quarter in Mikulov

Jewish quarter in Mikulov

AUFSTIEG UND UNTERGANG

Eine gewisse Einstellungsänderung gegenüber den Juden brachte schon die Zeit der Aufklärung, während der die ersten wirtschaftlich aktiven Juden begannen, sich wieder in den Vororten von Brünn niederzulassen. Einen großen Einfluss auf die jüdischen Gemeinden hatte zweifelsohne das Toleranzpatent. Die wirkliche Gleichheit der Juden mit den anderen Bürgern des Kaiserreiches brachten jedoch erst die Reformen, die dem Staatsapparat durch die Revolutionen von 1848 auferlegt wurden, und die in der neuen Verfassung von 1867 gipfelten. Zu dieser Zeit war der Prozess der Massenmigration mährischer Juden aus überfüllten jüdischen Gemeinden in größere Städte bereits in vollem Gange; insbesondere nach Brünn.

Bereits in den Jahren 1853–1855 wurde in Brünn die erste neuzeitliche Synagoge gebaut. Sie wurde im neoromanischen Stil von den österreichischen Architekten Johann Romano und August Schwendenwein entworfen. Die Kosten für den prächtigen Bau erreichten 100.000 Gulden.

Jüdische Unternehmer wurden in das Wirtschaftsleben integriert. Ihr Beitrag zum Aufbau zahlreicher Textilfabriken war besonders wichtig, dank derer Brünn bald als mährisches Manchester bekannt wurde.

Die Namen jüdischer Investoren tauchten nach und nach in fast allen Zweigen der mährischen Industrie auf. Zugleich wirkten schon im 19. Jahrhundert eine Reihe von Journalisten, Schriftstellern, Schauspielern, Künstlern und Kunstsammlern in Brünn, an deren Beitrag zum kulturellen Leben in Mähren bis heute nicht zu zweifeln ist. Die Entwicklung der jüdischen Kultur setzte sich auch nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 fort, deren politische Vertreter eine sehr tolerante Haltung gegenüber Juden im Sinne des Humanismus von Masaryk förderten. Dank dieser Voraussetzungen gingen aus den blühenden jüdischen Gemeinden in Brünn und Mähren Persönlichkeiten wie die Architekten Ernst Wiesner, Heinrich Blum, Otto Eisler und Alfred Neumann, der Philologe Theodor Gomperz, der Schriftsteller Ernst Weiss, die Komponisten Pavel Haas und Erich Wolfgang Korngold sowie die Schauspieler Hugo Haas und Fritz Grünbaum hervor oder der sozialdemokratische Politiker Ludwig Czech.

HOLOCAUST

Eine gewisse Einstellungsänderung gegenüber den Juden brachte schon die Zeit der Aufklärung, während der die ersten wirtschaftlich aktiven Juden begannen, sich wieder in den Vororten von Brünn niederzulassen. Einen großen Einfluss auf die jüdischen Gemeinden hatte zweifelsohne das Toleranzpatent. Die wirkliche Gleichheit der Juden mit den anderen Bürgern des Kaiserreiches brachten jedoch erst die Reformen, die dem Staatsapparat durch die Revolutionen von 1848 auferlegt wurden, und die in der neuen Verfassung von 1867 gipfelten. Zu dieser Zeit war der Prozess der Massenmigration mährischer Juden aus überfüllten jüdischen Gemeinden in größere Städte bereits in vollem Gange; insbesondere nach Brünn.

Bereits in den Jahren 1853–1855 wurde in Brünn die erste neuzeitliche Synagoge gebaut. Sie wurde im neoromanischen Stil von den österreichischen Architekten Johann Romano und August Schwendenwein entworfen. Die Kosten für den prächtigen Bau erreichten 100.000 Gulden.

Jüdische Unternehmer wurden in das Wirtschaftsleben integriert. Ihr Beitrag zum Aufbau zahlreicher Textilfabriken war besonders wichtig, dank derer Brünn bald als mährisches Manchester bekannt wurde.

Die Namen jüdischer Investoren tauchten nach und nach in fast allen Zweigen der mährischen Industrie auf. Zugleich wirkten schon im 19. Jahrhundert eine Reihe von Journalisten, Schriftstellern, Schauspielern, Künstlern und Kunstsammlern in Brünn, an deren Beitrag zum kulturellen Leben in Mähren bis heute nicht zu zweifeln ist. Die Entwicklung der jüdischen Kultur setzte sich auch nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 fort, deren politische Vertreter eine sehr tolerante Haltung gegenüber Juden im Sinne des Humanismus von Masaryk förderten. Dank dieser Voraussetzungen gingen aus den blühenden jüdischen Gemeinden in Brünn und Mähren Persönlichkeiten wie die Architekten Ernst Wiesner, Heinrich Blum, Otto Eisler und Alfred Neumann, der Philologe Theodor Gomperz, der Schriftsteller Ernst Weiss, die Komponisten Pavel Haas und Erich Wolfgang Korngold sowie die Schauspieler Hugo Haas und Fritz Grünbaum hervor oder der sozialdemokratische Politiker Ludwig Czech.

The ramp at Auschwitz II-Birkenau concentration camp, 1944

The ramp at Auschwitz II-Birkenau concentration camp, 1944

DAS GEBÄUDE

Beim Bauprojekt des Holocaust-Dokumentationszentrums in Mähren beabsichtigen wir einen ernsten gesellschaftlichen Inhalt mit einem außergewöhnlichen, nicht alltäglichen Erscheinungsbild zu verbinden.

Wir wollen einen internationalen Architekturwettbewerb organisieren, zu dem wir bedeutende Vertreter der internationalen zeitgenössischen Architektur einladen, wie das niederländische Architekturbüro MVRDV, wie den Schöpfer der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem Moshe Safdie, die japanische Pritzker-Preisträgerin 2010 Sejima Kazuyo, die amerikanischen Architekten Daniel Libeskind oder Thom Mayne, den jüngsten Inhaber des Architektur-„Nobelpreises“, das aus Irland stammende Architekturbüro Grafton Architects oder den Schweizer Peter Zumthor.

Wir sind davon überzeugt, dass Brünn neunzig Jahre nach dem Einzug des Ehepaares Tugendhat in ihre berühmte Villa, die von Mies van der Rohe, einem der größten Architekten des 20. Jahrhunderts errichtet wurde, eine neue Ikone moderner Architektur verdient. Die Villa Tugendhat gehört zum kulturellen Erbe der Stadt und ist eines seiner sichtbarsten Wahrzeichen und Attribute … keine andere Stadt in der Tschechischen Republik ist so stark mit moderner Architektur verbunden wie Brünn. Man sollte dieser Tradition gerecht werden, dies umso mehr, zumal attraktive Architektur heute mehr denn je als hervorragende Investition verstanden wird, welche den Namen (Brand) einer Stadt prägt.

Das Holocaust-Dokumentationszentrum in Mähren könnte darüber hinaus zu einem jener Schlüsselprojekte der geplanten Kandidatur Brünns für die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2028 werden.

Denver Art Museum (designed by Studio Libeskind)

Denver Art Museum (designed by Studio Libeskind)

National Center for Civil and Human Rights, Atlanta (designed by HOK)

National Center for Civil and Human Rights, Atlanta (designed by HOK)

DER STIFTUNGSFONDS

Der Stiftungsfonds wurde am 25. Februar 2020 gegründet.

Seine Hauptaufgabe und sein Hauptanliegen ist die Errichtung des Holocaust-Dokumentationszentrums in Mähren. Darüber hinaus wird er eine Reihe von Aktivitäten in seinem Portfolio haben, die mit dieser schwierigen Aufgabe verbunden sind, wie die gemeinsame Organisation internationaler Konferenzen und internationaler Architekturwettbewerbe, das Sammeln von Artefakten im Zusammenhang mit jüdischer Tradition und Kultur, die Katalogisierung und akademische Beschreibung der gesammelten Exponate, die Herausgabe von Publikationen und weiteren  Druckschriften, die Organisation von Konzerten, Aufführungen, öffentlichen Diskussionen, Filmvorführungen im Zusammenhang mit den Hauptaktivitäten des Stiftungsfonds, die Beschaffung von Finanzmitteln für den Bau des Dokumentationszentrums und gemeinnützige Aktivitäten.

Der erste Direktor des Stiftungsfonds ist der Verleger und Schriftsteller Martin Reiner.

Mitglieder des Verwaltungsrates sind der Präsident des Verfassungsgerichts der Tschechischen Republik, der ehemalige Premierminister, Justizminister und Senator Dr. Dr. hc. Pavel Rychetský, die Bürgermeisterin der Stadt Brünn Dr. Markéta Vaňková, der Vorsitzende der Föderation der jüdischen Gemeinden in der Tschechischen Republik Ing. Dr. Petr Papoušek, der Senator und ehemaliger Rektor der Masaryk-Universität Doz. Dr. Mikuláš Bek und der Diplomat, ehemaliger Botschafter in Schweden, Irland, USA und Russland ,Dr. Petr Kolář.

Pavel Rychetský
Markéta Vaňková
Petr Papoušek
Mikuláš Bek
Petr Kolář